Dienstag, 25. Januar 2011

Sein und Haben

Etwas fortgetragen von der Anmut des einfachen Lebens, im Sein anstatt im Haben, erschien mir dies als das erstrebenswerte Glück. Zurück in Sydney sind wieder erneut überwältigt von der Pracht dieser Stadt, die wirklich alles zu haben scheint. Hier ist es einigen Leuten gelungen, Sein und Haben wunderbar zu emulgieren.
Ond mängisch döfs es bezli meh si

Mittwoch, 19. Januar 2011

Bei den glücklichsten Menschen der Welt, Port Vila, Vanuatu

Das sind sie nun, die Glücklichsten von allen. Nun ist es nicht so, dass alle vor sich hin strahlen würden. Man denke auch an die Schweizer, die auf der Rangliste ebenfalls weit vorne sind. Doch Heiterkeit ist immer nahe, ein kurzer Blickkontakt und schon erstrahlt ein freundliches Lächeln. Worauf gründete das Glück? Nach mörderischen Stammeskriegen und grausamen Ritualen, nahmen sie den ihnen zugetragenen Glauben der Missionare auf und kultivierten ihn auf ihre Weise. Der schon zu früheren Zeiten bestehende Befriedungskult (Tänze, Geschenke, Friedenszweige) wurde zum zentralen Leitgedanken. Die Bevölkerung lebt in sehr vielen kleinen Gemeinden, die vom Chief geführt werden. Er ist die Respektsperson, das Oberhaupt und der Richter. Doch ist er nicht viel vermögender als die andern Dorfbewohner. Dinge, die verboten sind, werden von ihm mit einem Tabu belegt. Setzt er ein Zeichen, dass in einer Zone nicht gefischt werden soll, wird das jedermann akzeptieren, denn der Fisch, den man in diesem Bereich fängt, würde einen sicherlich Krank machen. Die Dörfer haben meist keinen Strom, ebenso wenig wie fliessendes Wasser, ausser man zählt den nahen Fluss dazu. Hier wird gebadet und gewaschen (nur Frauen). Die Männer haben weniger zu tun - glückliche Menschen, wie gesagt. Sie, die Männer gehen fischen oder jagen, aber nur so viel, wie gerade gegessen werden kann. Es gibt keine Kühlschränke und der frische Fisch schwimmt praktisch vor der Hütte vorbei. Ansonsten gibt es wenig zu tun und es gibt auch wenig materielle Güter. Was man braucht, das hat man und was man nicht hat, braucht man auch nicht. Es werden keine Konsumgüter beworben, die vorgaukeln, dass erst durch sie das Leben besser wird. Kein TV, keine Reklame. Als Selbstversorger sind die Dorfbewohner weniger auf Geld angewiesen und haben auch wenig Gelegenheit, welches zu verdienen. Teuer kommt sie der Transport in die Stadt oder die Gesundheitsversorgung zu stehen. Es gibt keine Steuern zu bezahlen. Einzige Einnahmequelle des Staates ist die Mehrwertsteuer, die wird aber natürlich auch nur in der Stadt erhoben. Umgekehrt ist vom Staat auch nicht viel zu erwarten. Viele Projekte, wie Strassen, Brücken oder Schulen werden von Japan (Reparation?) oder Australien und Neuseeland finanziert.
Die kleinen Gefängnisse in der Hauptstadt sind fast leer. Das häufigste Vergehen ist das Rauchen von Marihuana. Verkehrsregeln gibt es keine, ausser dass man in der Regel rechts fährt. Alles geht gemächlich voran. Zeit scheint das einzige Luxusgut zu sein, das im Überfluss vorhanden ist.

Im Auge des Zyklons

Sintflut überall. Grosse Teile Australiens liegen unter Wasser. Der Monsun scheint dieses Jahr besonders intensiv zu sein. Bevor wir in Vanuatu angekommen sind, wütete hier der Zyklon Zelia und zerzauste die Insel arg. Darum war der erste Eindruck hier recht erbärmlich. Aber schon tags darauf wurde wieder alles in Stand gestellt, das Meer beruhigte sich und die Über- und Unterwasseraktivitäten wurden wieder aufgenommen. Zuerst durften wir mit dem Hobbykat nur auf einer Seite der kleinen Insel Iririki, worauf unser Hotel steht, segeln, aber am nächsten Tag konnte ich mit dem Kajak das Inselchen problemlos umrunden. Wir haben hier wieder einen schönen Bungalow mit grosser Veranda. Die ist uns nützlich, weil das Wetter weiterhin nicht stabil ist. Der Monsun bremst einen mehr aus, als das die Tropenhitze ohnehin schon tut. Man sitzt und wartet auf das Ende des Geplätschers, unternimmt was in trockenen Momenten und muss sich schon bald wieder irgendwo unterstellen. Zeit also zum Lesen und Bloggen.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Look at all those happy people


Vor der Reise dachten wir, uns rechtfertigen zu müssen, weil wir uns etwas so aussergewöhnliches leisten. Nun aber beruhigen uns die Berichte und der Anblick des Reisevolkes. Viele der jungen Menschen sprechen fliessend English, ob sie nun aus einem englischsprachigen Land kommen oder nicht. Da sind Barcelonerin mit ihrem Freund aus Argentinien. Sie studieren in Australien und leisten sich nun eine Tour durch die Inselwelt. Ein Paar aus London kommt gerade von einer dreimonatigen Reise durch Südamerika. Nun haben sie hier auf den Yasawas geheiratet. Ein anderes frisch verheiratetes Paar aus Mexico City macht Honeymoon auf den Inseln und reist dann weiter, um in Sydney zu studieren und ein wenig zu arbeiten. Manche der Tramper sind schon zum wiederholten Male hier und kenne jedes Inselchen. Ein junger Australier hat ein Jahr in Dornach studiert und war Gast im Haus des superreichen Redbull-Produzenten.
Und jetzt in Denarau, im Luxushotel Sheraton, wimmelt es von jungen, ausgelassenen Familien, die sich anscheinend alles leisten können. Allen geht es gut. Denn auch das stets freundliche Personal wirkt gutgelaunt und ruft einem von allen Seiten Bula! zu. Bula ist der Gruss, der alles heisst, Hallo, Guten Tag, Willkommen – wortwörtlich aber Lebe! What a wonderful world.

Dienstag, 11. Januar 2011

Wolken im Paradies

Seit drei Tagen regnet es wortwörtlich ins Strömen. Unglaubliche Massen an Wasser und das fast pausenlos, Tag und Nacht. Der Wechsel auf von Taweva nach Naviti gestaltete sich dadurch abenteuerlich. In den offenen Booten wurden wir drei Kilometer über offene Meer zum wartenden Katamaran geschifft. Und geschifft hat es von oben und durch die an die Planken klatschenden Wogen auch seitlich. Wir wurden aufs Übelste an unsere Kenterung in Indonesien erinnert. Das Boot war übervoll und wir lagen sehr tief im Wasser. Dazu kamen die seitlich heranrollenden Wogen. Ins Wasser zu fallen hätte wenig ausgemacht, waren wir doch schon durch und durch nass, aber das Laptop, die Kamera und das Natel wären ruiniert gewesen. Glücklich gingen wir aber nach langem warten, denn viele Boote waren zusammen gekommen, an Bord. Das freundliche und grossräumige Ressort auf Naviti, Botaira, gab uns dann wieder Auftrieb.
Nachhaltiger ist der negative Eindruck der Verschmutzung der Meere. Wir sitzen hier auf Inseln im grössten Meere, endlose Weiten von Wasser, aber an den verstecktesten Stränden sehen wir alle paar Meter Plastikflaschen und Plastiksäcke oder manche Bierdosen. Es ist wirklich bedenklich, wie wir mit dieser schönen Welt umgehen.

Farbenpracht über und unter Wasser, Nacula Fiji

Das Leben auf den Inseln ist leicht. Es wird zu Morgen-, Mittag- und Abendessen getrommelt. Man sitzt gemeinsam an grossen Tischen und erzählt sich Geschichte. Dazwischen heisst es in Hängematten liegen, etwas im Buch lesen, die Gedanken treiben lassen. Die türkies-blaue Lagune wir umrahmt von weissen Sandständen überschattet von Coconut Trees. Dahinter erheben sich grün fluoreszierende Hänge. Sun, fun an nothing to do, geht einem durch den Kopf. Doch das Meer, die Tief, das Abenteuer rufen. Und tatsächlich, auch unterm Wasserspiegel, leuchtende Farben, Fische in allen Formen und Grössen - Korallen, spitz, stumpf, kugelrund.
Heute ging es sogar in eine Höhle. Wir tauchte unter einem Fels durch und mussten uns zuerst an die Dunkelheit gewöhnen. Das einzige Licht kam von unten, unheimlich schön.

Yasawa Islands, Navati: Ziel erreicht

Sand zwischen den Zehen, Bula Bula Gesang, im Schatten von Kokospalmen ligen. Das Wasser glasklar und die Tiefe smaragdgrün. So habe ich es mir erträumt und so ist es nun auch. Schon die Fahrt hierher, an verschiedenen kleineren und grösseren Insel vorbei, war traumhaft. Wir sind vom schnellen Katamaran auf ein kleines Boot umgestiegen und damit zum Mantaray Island Resort gefahren. Hier wurden wir mit Gesang und dem Willkommensgruss „Bula!“ empfangen. Unsere kleine Pfahlbauhütte steht in einem tropischen Garten am Hang und hat eine kleine Veranda. Duschen und Plumpsklo sind Gemeinschaftssache. Vom Balkon des höher gelegenen Restaurants sieht man über das Grün hinweg in eine wunderbar Bucht.
Bereits die erste Schnorcheltour zeigt eine wunderbar reiche Unterwasserwelt. Am zweiten Tag besichtigten wir auf einer nahe gelegen Insel ein Fiji-Dorf. Sehr einfach leben die Menschen hier in einer sehr geschlossenen (Sippen-)Gesellschaft. Alles was die „Welt“ bewegt, passiert hier. Kein Shopping, keine Ablenkung, primitiv im besten Sinn. Doch könnten wir uns ein Leben hier wirklich vorstellen?